Schulchronik

„Von den hülzernen Schullerstuben ob der Fleischbank bis zur modernen Volksschule“

Zusammengestellt im April 2004 von Norbert Würfl

 

Quellenangabe:

– Der Landkreis Wegscheid, ein Heimatbuch Seite 79, Richard Miller, Hauzenberg

– „Der Bayerwald“ 2/82, Zeitschrift des Bayerischen Wald-Vereins Seite 90-91.

– Josef Stockinger, Wegscheid in „Wegscheider Geschichte: Das Land der Abtei

– „Wegscheid – ein Heimatbuch“ Seite 187 – 200, Volker Stutzer, Ficht/Untergriesbach

– „Niederbayerische Lehrergeschlechter“ – Harslem in Wegscheid Seite 14-24, Gottfried Strobl, Passau

– Markt und Gericht Wegscheid 1360 – 1960, Beiträge zur 600 Jahrfeier des Marktes Wegscheid

– Chronik und Aufzeichnungen von Josef Reiter, Wegscheid

– Zeitungsausschnitte aus der Passauer Neuen Presse

Der Markt Wegscheid, vor 700 Jahren zum Fürstbistum Passau gehörend, war seiner Zeit voraus, zumindest was die Schule betrifft. Seit wann es in Wegscheid eine Schule gibt, ist unbekannt, sicher aber schon vor1540.

Die erste urkundliche Nennung eines Schulmeisters ( Georg Zaschleber) datiert von 1544. Das Schulhaus dürfte von jeher im Anwesen Passauerstraße 2 (heute Sparkasse Wegscheid) zu suchen sein. Es wurde „viele Jahre vom Spital-Vermögen bäulich unterhalten“. Das Erdgeschoss dieses Hauses war das „Fleischbankgewölbe“, darauf waren die „Schullerstuben“ gebaut. Die Schulstuben waren hölzern gewesen.

Die Wegscheider Bürger und die bischöfliche Verwaltung schenkten laut Marktchronik in dieser Zeit der Schule, den Schulmeistern und der Bildung der Kinder weniger Beachtung, weil schulische Angelegenheiten kaum erwähnt wurden. Außerdem war „die Versehung der Schule dem Pfarrer vornehmlich befohlen und ihm gehörig“.

Die Besoldung des Schulmeisters erfolgte zum Teil in Naturalien. Es gibt noch genaue Aufzeichnungen darüber, in welchen Häusern ihm wie viel Korngarben, Brotlaibe, Eiern oder Kreuzer Geld zu reichen waren. Der Schulmeister versah auch den Kirchendienst, war also auch Mesner und Organist.

Im Jahre 1671 wird gemeldet, das Schulhaus sei reparaturbedürftig. Der Schulmeister um diese Zeit hieß Martin Hofmann und war Wegscheider Bürger und auch noch Totengräber. Ihm folgte ein Johann Wegerbauer als Organist und Schulmeister. 1720 wurde dann das Schulhaus tatsächlich renoviert!
Im Jahre 1723 schloss man behördlicherseits die „Winkelschule“ in Kasberg mit der Begründung, dass man ja nach Wegscheid nur ½ Stunde zu gehen hätte.
Entscheidend geprägt wurde das Schulwesen in Wegscheid durch die Lehrersfamilie Harslem, in der durch drei Generationen die nächsten 120 Jahre das Amt des Schulmeisters vererbt wurde. Der um 1690 in Obernzell geborene Norbert Gabriel Harlem war seit mindestens 1715 in Wegscheid tätig. Nachfolger waren sein Sohn Franz Peter Harslem (1735 – 1796) und der Enkel Franz Joseph Harslem (1764 – 1837). Auch in Breitenberg wirkten die Harslem als Lehrer.
Für das Jahr 1829 nennt die Statistik in Wegscheid 408 Werktags- und Feiertagsschüler.
Das Einkommen eines Schullehrers wird 1834 angegeben mit 510 fl. 23 Kr., einer jährlichen Sammlung von 4 Schäffel, 1 ½ Mtz. Korn, 5 Schäffel Haber und ca. 40 Pf. Flachs. Holz zur Beheizung der Schulzimmer gab es in Menge. Eine Wiese und die eine Stunde entfernte Holzung sind Eigentum des Schullehrers.
Nach den schlimmen Ortsbränden 1818 und 1822 entstand aus den „hülzernen Schullerstuben ob der Freibank“ ein großes, aus Ziegeln und Bruchsteinen erbautes Schulgebäude am Marktplatz.

1834 wurde in Meßnerschlag eine Schule gebaut mit einem 18 m² großen Schulzimmer!

1837 erfolgte der Schulhausbau in Hochwinkl mit einem 63 m² großen Schulzimmer und einer Lehrerwohnung. Der Lehrer war zugleich auch als Gemeindeschreiber tätig.

Aus dem Jahre 1887 ist eine amtliche „Statistik der Volksschulen des Regierungsbezirks Niederbayern“ überliefert: Der Markt Wegscheid hatte damals 1288 „Seelen“, die in „136 größtenteils neugebauten Häusern leben“. 116 Werktagsschüler und 43 Feiertagsschüler aus den 30 umliegenden Dörfern, Weilern und aus Wegscheid besuchten die Wegscheider Schule. 1878 gingen im Gebiet der heutigen Großgemeinde Wegscheid (also mit den Schulen in Gossingerreut, Hochwinkl, Meßnerschlag, Thalberg, Wegscheid) 387 Werktags- und 126 Feiertagsschüler, zusammen 513 Schüler in die Schule. Sie bekamen von fünf Lehrern die nötige Unterweisung. Rein rechnerisch trafen also auf einen Lehrer 102 Kinder!

Durch eine großzügige Stiftung des Privatiers Joseph Reißhammer bekam 1878 der Markt das Haus Marktstraße 36 („Caritashaus“) mit der Auflage, darin eine Mädchenschule einzurichten. Gleichzeitig gründete man in diesem Haus ein Filialinstitut der Englischen Fräulein (Maria-Ward-Schwestern) und die Schwestern stellten sich für den weibliche Schuldienst zur Verfügung. Nach einem Erweiterungsbau im genannten Hause folgte am 01.08.1887 die Eröffnung eines Kindergartens (Kleinkinderbewahranstalt). 1895 wird das Knabenschulhaus in Wegscheid erweitert.

Knabenschule Wegscheid um 1910 am Marktplatz ( heute Sparkasse)

 

Nur mehr Erinnerung ist das aus der Reißhammer`schen Stiftung hervorgegangene Mädchenschulhaus und die Kleinkinder- Bewahranstalt. (im Krieg zerstört)

Die beiden Schulgebäude in Wegscheid verloren ihre Funktion als Schulhäuser, als am 30.01.1939 an der Adalbert-Stifter-Straße 12 die neuerbaute Schule eröffnet wurde. Zum Bau einer Turnhalle kam es aber nicht mehr, der 2.Weltkrieg brach aus.

1928 wird in Möslberg ein Schulhaus gebaut
1934 wird in Eidenberg eine Notschule eingerichtet

Während der Kriegsjahre wurde der Schichtunterricht eingeführt, es blieben teilweise nur zwei Lehrkräfte übrig. An den Dorfschulen fiel der Unterricht oft wochenlang aus. In den letzten Kriegsmonaten diente das Schulhaus als Lazarett, wo verwundete Soldaten versorgt wurden. Später verwendeten die US-Truppen für kurze Zeit die Schule als Unterkunft.

Am 02.Oktober 1945 konnte der Unterricht für die unteren vier Klassen notdürftig in zwei Räumen des alten Knabenschulhauses aufgenommen werden. Auf Fürsprache der Wegscheider Frauen übernahmen auch die Englischen Fräulein wieder den Schulunterricht.
Erst 1948 war das Schulhaus in der Adalbert-Stifter-Straße wieder frei für einen geregelten Unterricht.

Die kurz vor dem Krieg 1939 fertiggestellte neue Adalbert-Stifter-Volksschule Foto: Marktarchiv

Im Jahre 1951 unterrichteten in der jetzigen Großgemeinde Wegscheid ( in den Schulen Wegscheid, Hochwinkl, Kleinrathberg, Meßnerschlag, Gossingerreut) 15 Lehrkräfte insgesamt 600 Schüler d. h. 40 Schüler pro Lehrer.

Aber auch dieses Haus verließen die Schüler und ihre Lehrer wegen der Schulreform und zogen am 02.12.1967 in die neue Verbandsschule mit den verschiedenen Funktionsräumen wie Küche, Physikraum, Werkraum am Mitterweg 19 um. Der Schule angegliedert sind eine Turnhalle und ein Schulschwimmbad.

Durch die Bildung des Schulverbandes löste man die Schulen der damals noch eigenständigen Landgemeinden in Gossingerreut, Hochwinkl, Meßnerschlag und etwas später Kleinrathberg auf und schickte die Schüler in die neue Verbandsschule Wegscheid. 1967 wurden in 15 Klassenzimmern 512 Kinder unterrichtet.
Nach der inzwischen durchgeführten Gebietsreform ist die derzeitige Situation so, dass die Kinder aus der Gemeinde Wegscheid drei verschiedene Schulen besuchen:

Schüler aus Wegscheid und den ehemaligen Gemeinden Thurnreuth, Möslberg, Eidenberg und Meßnerschlag gehen nach Wegscheid.

Die ehemalige Gemeinde Wildenranna gehört zum Einzugsbereich der Schule Untergriesbach und die Schüler von Thalberg werden in der Verbandsschule Breitenberg unterrichtet, die das Haus in Thalberg als Teilschule betreibt.

Adalbert-Stifter-Volksschule Wegscheid 2004 Sportanlage für die Volksschule Wegscheid

Herr Josef Reiter leitete nun als Rektor ab 1966 die neue Verbandsschule Wegscheid, sein Stell-vertreter war Herr Robert Müller. Die Volksschule Wegscheid wurde wegen der räumlichen und fachlichen Voraussetzungen 1968 als Modellhauptschule für Musik „befördert“. Im Schuljahr 1969/70 waren 670 Kinder in 17 Klassen zu unterrichten. 1974 kam die Fünf-Tagewoche. Die Raumnot war sehr groß, so dass die Musikstunden und der Schreibmaschinenkurs im ehemaligen Landratsamt gehalten wurden. Die Schule musste erweitert werden. Am 18.Februar 1983 kamen im Erweiterungsbau neue Klassenräume, Musikraum, Medienraum, Handarbeitsraum, Schreibmaschinenraum und kleinere Funktionsräume hinzu. 1984 konnte die recht großzügige Sportanlage vollendet und für den Schulsport bereitgestellt werden. Damit war die räumliche Situation an der Volksschule sehr zufriedenstellend gelöst.
In den darauffolgenden Jahren gingen Lehrer und Schüler gemeinsam daran, das Gelände rund um das Schulgebäude zu gestalten. Sträucher und Bäume wurden gepflanzt, Gehwege und ein Biotop angelegt, die Pausenhöfe kindgemäß gestaltet. Als Schulversuch bauten Lehrer, Schüler und Hausmeister eine Photovoltaikanlage. Sehr großen Erfolg hatte die Schulgemeinschaft mit insgesamt 8 Singspiel- aufführungen, wobei teilweise die Texte eigens neu formuliert wurden.

1989 trat Herr Paul Wieland die Nachfolge von Herrn Reiter an und wirkte bis 2001 als Rektor an der Volksschule Wegscheid. Ihm zur Seite gestellt war als Konrektor Herr Norbert Würfl Die Theaterspiele wurden fortgesetzt, Informatikräume mit den entsprechenden Computern ausgestattet, Schülerarbeitsgruppen gebildet und erste Ansätze für die innere Schulreform eingeleitet. Nach 25 Jahren mussten die ersten Renovierungsarbeiten im Schulhaus getätigt werden.
1994 besuchten 365 Kinder die Schule, die von 26 Lehrkräften in 16 Klassen unterrichtet wurden.
Einen großen Einschnitt brachte die Einführung der sechsklassigen Realschule im Jahre 2001, da nun nach der 4.Klasse wegen der geringeren Schülerzahl der Bestand einiger Klassen in der Hauptschule gefährdet schien.
2001 übernahm Herr Helmut Lallinger als Rektor die Leitung der Volksschule Wegscheid, als Konrektorin wirkt seit 2003 Frau Monika Berg.
Die Außenanlage neben dem Schulhaus und hinter der Turnhalle wurde den heutigen Bedürfnissen kindgerecht angepasst. Jedes Klassenzimmer erhielt einen Computer mit Zugang zum Internet als Voraussetzung für den heutigen modernen Unterricht.
Die Schulleitung setzt die innere Schulreform weiter um.
Im Schuljahr 2003/04 besuchten erstmals einige Schüler aus Wildenranna die Wegscheider Schule, um den Hauptschulbetrieb zu sichern. Jetzt gehen insgesamt 314 Schüler in die hiesige Volksschule. Sie werden von 23 Lehrkräften und Fachlehrern in 13 Klassen unterrichtet.
Im Schuljahr 2004/05 wechseln laut Regierungsbeschluss alle Schüler aus Wildenranna von Untergriesbach nach Wegscheid über. Damit decken sich Schulsprengel und Gemeindebereich Wegscheid, mit Ausnahme von Thalberg, dessen Kinder noch der Schule Breitenberg zugeordnet bleiben.